Duftgarten

Blühende Pflanzen wurden lange Zeit vor allem um ihrer Blüten willen gezüchtet, je nach farbenprächtiger desto besser. Gefüllte Sorten waren besonders gefragt. Dabei ging aber eine ihrer schönsten Eigenschaften verloren – der Duft. Ihr Duft ist die Seele der Blüte, sagt man. Seit einigen Jahrzehnten hat mit der Rückbesinnung auf Wildformen auch das Interesse an Pflanzendüften zugenommen. Blütendüfte verwöhnen unsere Sinne, rufen Gefühle und Stimmungen hervor – durch in der Laborküche designte Aromen in keiner Weise zu ersetzen.

Doch warum duften Blumen überhaupt? Sicher nicht nur, um uns zu betören. Blütendüfte sind das Ergebnis eines hochkomplexen Zusammenspiels zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern. Blütendüfte ziehen Insekten, aber auch Kolibris, Nektarvögel und sogar manche Fledermausart magisch an. Auf der Suche nach Pollen und Nektar befruchten sie die Blüte. Eine  Symbiose zu gegenseitigem Nutzen. Das funktioniert weitaus besser, als die mehr zufällige Bestäubung durch den Wind, wie sie für Getreide und Gräser typisch ist. Während Bienen und Hummeln tagsüber die Blüten aufsuchen und sich dabei optisch orientieren und von intensivem Blau, Gelb oder Weiß, welches sie durch die besonders intensive Reflexion des UV-Lichtes als Violett wahrnehmen, angelockt werden – Rot können sie nicht sehen, werden Tagschmetterlinge gerade von Rottönen angezogen. Diese tagsüber blühenden Pflanzen senden vor allem optische Signale aus, ihr Duft ist weniger ausgeprägt als der Nachtfalterblumen. Hier dominieren schlichte Blüten in Weiß und Cremefarben. Sie machen stattdessen durch intensive, schwere Duftnoten auf sich aufmerksam, um Nachtfalter zur Bestäubung anzulocken. So ist es nicht verwunderlich, dass sie erst am Abend zu duften beginnen, sich oft nur einmal während der Nacht öffnen und dann nach erfolgreicher Befruchtung welken.

Aber nicht nur Blüten duften, auch die Blätter vieler Pflanzen können intensive Düfte und Aromen verströmen – nicht nur bei Küchenkräutern und Heilpflanzen. Doch hier hat der Duft eine ganz andere Funktion. Die n den Blättern entstandenen ätherischen Öle dienen der Abschreckung von Fressfeinden. Für vielen Insekten riecht die Pflanze dann einfach ekelhaft oder schmeckt zu bitter. Jeder, der einmal im Sommer durch die Macchie gewandert ist, weiß, wie intensiv mediterrane Kräuter und Stauden duften. Hier dienen die ätherischen Öle als Oberflächenschutz, der die Blätter vor dem Austrocknen schützt.

Duftnoten bilden sich aus einem komplexen Zusammenspiel von Stoffgemischen und der Sinneswahrnehmung unserer Geruchsnerven, mitgeprägt durch Kindheitserinnerungen und Lernprozessen. So ist es kein Wunder, dass jeder Mensch die Pflanzendüfte etwas anders wahrnimmt und sich bestimmte Düfte kaum exakt definieren lassen. Man muss sie einfach „erschnuppern“. Deshalb macht es auch wenig Sinn, exakte Pläne  für die Anlage eines Duftgartens vorzulegen. Jeder muss hier seine Vorlieben und Abneigungen im Umgang mit duftenden Pflanzen selbst kennenlernen und sich seinen Duftgarten individuell zusammenstellen.

Es gibt jedoch einige Grundregeln, die man beachten sollte, um einen gut gestalteten Duftgarten zu verwirklichen:

  • Für den Duftgarten gilt die Regel „weniger ist mehr“ besonders. Zuviele unterschiedliche Düfte betäuben die Sinne, statt sie zu betören. Manche Duftnoten neutralisieren sich gegenseitig, heben sich in ihrer Wirkung auf oder entwickeln ein wenig harmonisches Gemisch von Düften und Gerüchen.

  • Daher gilt auch die zweite Regel: Jede Duftpflanze braucht in ihrem unmittelbaren Umfeld eine Pufferzone mit nicht oder nur schwach riechenden Pflanzen. Warum also nicht Duftpflanzen mit farbenfrohen Blumen kombinieren? Also nicht alle Duftpflanzen in ein einziges Beet pflanzen, sondern in kleinen Gruppen über den Garten verteilen. Daraus lässt sich dann sogar ein Duftpfad gestalten, auf dem man zu abendlicher Stunde von Dufterlebnis zu Dufterlebnis schlendern kann.

  • Bodendecker und Polsterpflanzen entfalten erst in der Fläche ihre volle Wirkung. Duftende Stauden kommen dagegen als Solitärpflanze oder in kleinen Gruppen am besten zur Geltung.

  • Duftpflanzen sollten einen windgeschützten Platz im Garten kommen, sonst verflüchtigt sich ihr Duft zu schnell. Man pflanzt sie vor eine Mauer oder eine dichte Hecke.

  • Küchenkräuter und Heilpflanzen zeichnen sich weniger durch den Duft ihrer Blüten als durch intensive Blattdüfte aus. Damit sich diese voll entwickeln können, brauchen diese Pflanzen eine sonnenexponierten Lage mit einem lockeren, gut wasserdurchlässigen und nährstoffarmen Boden.

  • Funktionelle Gruppen wie Küchenkräuter, Heilpflanzen, einjährige Blumen und ausdauernde Stauden und Sträucher sollten man räumlich getrennt halten und dafür separate Gartenbereiche durch Wege getrennt anlegen. Das erleichtert auch die praktische Gartenarbeit.

  • Andererseits lassen sich Synergismen zwischen verschiedenen Pflanzen zur Bekämpfung von Pflanzenschädlingen und Pflanzenkrankheiten nutzen. So weiß wohl jeder Gartenfreund, dass Lavendel zwischen Rosenstöcke gepflanzt Blattläuse fernhält. Andere Duftpflanzen locken Nützlinge wie die Florfliegen, Erdhummeln und Wildbienen an.

  • Damit man nicht nur während der Sommermonate den Duftgarten genießen kann, ist es wichtig, die Pflanzen so auszuwählen, dass sich vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst hinein immer wieder neue Duftarrangements entwickeln.

  • Viele besonders intensiv duftende Pflanzen stammen aus dem Mittelmeergebiet oder anderen subtropischen Regionen. Sie sind in der Regel nicht winterhart und eignen sich als Kübel- und Balkonpflanzen.

Eine Orientierung, welche Duftpflanzen wann blühen, ob es sich um Blumen- oder Blattdüfte handelt, welche Duftnote sie charakterisiert, ob sie sich fürs Freiland oder als Kübel- und Balkonpflanze eignet, soll die folgende Tabelle geben.


Duftpflanzen im Überblick


Wissenschaftlicher
Name
Deutscher
Name
Blütezeit Blattduft
/Blütenduft
Duftnote Anmerkung
Achillea millefolium Schafgarbe Sommer Blüten & Blätter    
Allium suaveolens Wohlriechender Lauch   Blüten    
Anthemis nobilis Römische Kamille Sommer Blätter fruchtig Sonnige Lage
Anthericum liliago Graslilie Frühjahr Blüten    
Anthriscus cerefolium Kerbel   Blätter    
Artemisia abrotanum Eberraute   Blätter zitronenartig, süßlich bis bitter  
Artemisia absinthium Wermut Herbst Blätter    
Asperula azurea Blauer Waldmeister Frühjahr Blüten   Schattenpflanze
Asperula odorata Waldmeister Frühjahr Blätter   Schattenpflanze
Asclepias syriaca Seidenpflanze   Blüten honigartig  
Borago officinalis Borretsch Sommer Blüten & Blätter    
Buddleia davidii Sommerflieder Sommer Blüten vanille- und muskatartig  
Calendula officinalis Ringelblume Sommer Blätter   sonnig und windgeschützt
Carum carvi Kümmel   Blätter    
Cheiranthus cheri Goldlack Sommer Blüten veilchenartig auch als Kübel- und Balkonpflanze
Chrysanthemum balsamita Balsamkraut   Blätter Kaugummi-artig  
Chrysanthemum vulgare Rainfarn   Blätter    
Chrysanthemum parthenium Mutterkraut   Blätter aromatisch - kampferartig  
Convallaria majalis Maiglöckchen Frühjahr Blüten sehr intensiv, fliederartig Halbschatten
Crataegus monogyna Weißdorn Frühjahr Blüten    
Crocus aureus Herbstkrokus   Blüten    
Cyclamen europaeum Alpenveilchen Sommer Blüten  
Daphne mezerum Seidelbast Frühjahr Blüten blumig – würzig giftig
Datura suaveolens Engelstrompete Sommer Blüten süßlich bis stechend giftig, duftet abends, auch als Kübel-pflanze geeignet
Dianthus barbatus Bartnelke Sommer Blüten    
Dianthus cayophyllus Gartennelke Sommer Blüten   Sonnige Lage
Dianthus carthusianorum Karthäusernelke Sommer Blüten nelkenartig Sonnige Lage
Dianthus superbus Prachtnelke Sommer Blüten vanilleartig Sonnige Lage
Dictamnus albus Diptam Sommer Blüten & Blätter würzig-zitronenartig Sonnige Lage
Filipendula ulmaria Mädesüß Sommer Blüten würzig-blumig Halbschatten
Foeniculum vulgare Fenchel   Blätter   sonnig und windgeschützt
Fritillaria imperialis Kaiserkrone   Blüten   Sonnige Lage
Galanthus nivalis Schneeglöckchen Frühjahr Blüten    
Hemerocallis flava Taglilie Sommer Blüten   Duftet abends und nachts
Hesperis matronalis Nachtviole Sommer Blüten veilchenartig Duftet nachts
Hyacinthus orientalis Hyazinthe Frühjahr Blüten    
Hysoppus officinalis Ysop   Blätter aromatisch – riecht nach „Apotheke“ Sonnige Lage
Iberis amara Bittere Schleifenblume   Blüten honigartig  
Iris germanica Deutsche Schwertlilie Frühjahr Blüten   Sonnige Lage, feuchter Boden
Iris graminea Grasschwertlilie Frühjahr Blüten   Sonnige Lage
Iris sibirica Sibirische Schwertlilie   Blüten   Sonnige Lage, feuchter Boden
Lathyrus odoratus Duftwicke Sommer Blüten Süßlich, honigartig und Orangenduft Sonnige Lage, trockener Boden
Lavandula angustifolium Lavendel Sommer Blüten & Blätter   Sonnige Lage, trockener Boden
Levisticum officinale Liebstöckel   Blätter    
Lilium candidum Madonnenlilie Sommer Blüten fruchtig, erinnert etwas an Maiglöckchenduft  
Lilium martagon Türkenbund Sommer Blüten    
Lilium regale Königslilie Sommer Blüten Fruchtig-schwer  
Lysimachia nummularia Pfennigkraut Sommer Blüten fruchtig-frisch Feuchter Boden
Magnolia liliflora Magnolie Frühjahr Blüten    
Mathiola incana Levkoje Sommer Blüten Sehr variabel je nach Sorte  
Melissa officinalis Melisse   Blätter   Sonnige Lage, trockener Boden
Mentha pulegium Polei-Minze Sommer Blätter Typischer Minzgeruch, aber weniger aufdringlich als bei Pfeffer- und Wasserminze  
Mentha requienii Korsische oder Spanische Minze Sommer Blätter pfefferminzartig auch als Kübelpflanze
Mirabilis jalapa Wunderblume   Blüten fruchtig-orangenartig Duftet nachts
Monarda didyma Indianernessel Sommer Blüten & Blätter orange-minzig  
Muscari racemosum Traubenhyazinthe Frühjahr Blüten    
Myrris odorata Süßdolde   Blätter   Halbschatten
Myrtus communis Myrte Sommer Blätter lieblich auch als Kübelpflanze
Narcissus pseudonarcissus Trompetennarzisse Frühjahr Blüten    
Nerium oleander Oleander Sommer Blüten   auch als Kübelpflanze, nicht winterfest
Nicotiana alata Ziertabak Sommer Blüten   Duftet nachts
Ocimum basilikum Basilienkraut   Blätter würzig  
Ocimum sanctum Tulasi   Blätter würzig - exotisch auch als Kübel- und Balkonpflanze, nicht winterfest
Oenothera biennis Nachtkerze Sommer Blüten   Duftet nachts
Oenothera odorata Duftende Nachtkerze Sommer Blüten süßlich bis stechend Duftet nachts
Origanum vulgare Oregano   Blüten & Blätter   sonnig und windgeschützt
Paeonia officinalis Pfingstrose Frühjahr Blüten    
Pelargonium spec. Duftpelargonien Sommer Blätter Je nach Sorte zitronenartig, rosenartig oder minzenartig Pelargonien duften am intensivsten in den Abend-stunden, auch als Kübel-pflanze geeignet
Phildalphus coronarius Bauernjasmin Sommer Blüten   Duftet abends
Phlox paniculata Staudenphlox Sommer Blüten   Duftet nachts
Pimpinella anisum Anis   Blätter   sonnig und windgeschützt
Primula veris Arznei-Schlüsselblume Frühjahr Blüten    
Reseda odorata Duftresede Sommer Blüten veilchenartig Duftet nachts, auch als Balkonpflanze geeignet
Rosa centifolia Zentifolien-Rose Sommer Blüten     
Rosa damascena Damaszener Rose Sommer Blüten stark duftend  
Rosmarinus officinale Rosmarin   Blätter   auch als Kübelpflanze
Ruta graveolens Weinraute   Blätter    
Salvia officinalis Wiesen-Salbei Sommer Blätter    
Salvia sclarea Muskateller-Salbei Sommer Blätter Zitronenartig bis Musakttraubenartig  
Salvia rutilans Ananas-Salbei Sommer Blüten   auch als Kübelpflanze
Santolina chamaecyparissus Zypressenkraut   Blätter riecht intensiv nach Kamille und Zypressen auch als Kübelpflanze
Saponaria officinalis Seifenkraut   Blüten   Duftet nachts
Satureja montana Bergbohnenkraut   Blätter    
Syringa vulgaris Flieder Frühjahr Blüten    
Teucrium chamaedrys Gamander   Blätter    
Thymus serpyllum Sandthymian   Blätter    
Trapaeolum majus Kapuzinerkresse Sommer Blüten    
Tulipa sylvestris Wildtulpe Frühjahr Blüten    
Viola odorata Duftveilchen Frühjahr Blüten    
Wisteria sinensis Glyzine   Blüten    


Pflanzendüfte lassen sich aber auch konservieren. Wie man ätherische Öle durch Wasserdmpfdestillation, extraktion, Mezeration oder Enfleurage gewinnt, wertvolle Tipps zur Pfleg von Duftpflanzen und zur Klassifizierung der Blüten- und Blattdüfte dazu bieten zum Beispiel das Buch Duftpflanzen für Garten, Balkon und Terrasse von Bernd Dittrich, erschienen bei der BLV Verlagsgesellschaft München eine lebendig und mit der Leidenschaft eines passionierten Duftliebhabers geschriebene Einführung.